Pressespiegel der Stars & Friends Deutschland GmbH
Der Hoffnungsträger
Ibisevic geht es gut. An und für sich ist das keine besondere Nachricht. Wenn, ja wenn es in Sachen Stürmer und 1899 Hoffenheim rund drei Wochen vor Saisonstart nicht die einzig positive Meldung wäre. Chinedu Obasi fällt mit einer Stressfraktur im Schienbein bis mindestens Mitte September aus. #
Der Nigerianer ist gar nicht erst nach Österreich gereist. Demba Ba schuftet wie im Vorjahr nach langer Verletzung mit einem individuellen Trainingsprogramm. Ob die operierte Patellasehne hält, ist offen. "Es darf sich jetzt niemand mehr verletzen, ansonsten wird es eng", sagt Vedad Ibisevic. Prince Tagoe und Peniel Mlapa sind eigentlich nur als Alternativen gedacht. Die zwei, drei Neuzugänge für den Offensivbereich, die noch kommen sollen, sind in Leogang bislang nicht in Sicht.
Fluch und Segen
Alle Last liegt deshalb auf den Schultern von Ibisevic. Vor zwei Jahren gelang ihm als Hoffenheimer Himmelsstürmer die Halbserie seines Lebens. Diese Hinrunde 2008/09 ist zugleich Fluch und Segen für Ibisevic. Sie verfolgt ihn, an diesen 18 Treffern wird er immer gemessen. Er schleppt sie wie eine schwere Eisenkugel mit sich herum. Damals waren Ba und Obasi an seiner Seite. "Gute Leute an der Seite zu haben, ist von Vorteil. Das schafft Räume. Der Gegner weiß nicht, auf wen er sich konzentrieren soll", sagt der Bosnier.
Keiner im Hoffenheimer Team packt den (h)offensiven Hoffnungsträger in Zuckerwatte. "Angst, dass etwas passiert, darf man eh nicht haben", sagt Ibisevic.
Er weiß, wovon er spricht. Lange musste er kämpfen, bis er nach seinem Kreuzbandriss Anfang 2009 wieder der alte Torjäger war. "Klar versuche ich, den beiden verletzten Sturmkollegen zu helfen", sagt er: "Aber am Ende muss es jeder mit sich alleine ausmachen." Stürmer sind immer auch Egoshooter. Ibisevic vielleicht ein bisschen mehr als andere. Trainer Ralf Rangnick findet, sein Stürmer Nummer eins müsse das Kombinationsspiel noch verbessern. "Ich sehe das nicht so", sagt Ibisevic. "Ein Stürmer muss immer auch eigensinnig sein."
Im Krisen-Frühjahr 2010 gegen Freiburg übertrieb er das. Ein Abspiel wäre das 1:0 gewesen. Ibisevic, der Scheuklappenfußballer, musste danach viel Kritik einstecken. Nicht nur vom Trainer. "Das hat wehgetan, ich habe mir das sehr zu Herzen genommen. Die Kritik war zum Teil einfach nicht fair", sagt er heute. 12 Tore steuerte Ibisevic zur mittelmäßigen 1899-Saison bei, eine ordentliche Quote im Jahr eins nach einem Kreuzbandriss. "Er hat eine sehr, sehr gute Saison gespielt", sagt Landsmann Sejad Salihovic, der neben Ibisevic sitzt. Sein Kumpel strahlt und haucht ein Dankeschön ins Mikrofon.
Ball-Probleme
Ibisevic will sich künftig nicht mehr an Zahlen messen lassen, dabei ist das die Währung, in der Stürmer rechnen. "Ich setze mir kein Ziel in Sachen Toren", sagt er. Zudem ist der neue Einheitsball "Torfabrik" noch nicht sein bester Freund. "Bei der WM habe ich vor dem Fernseher noch gedacht: Was ist denn da los? Der Ball ist nicht nur für die Torhüter unberechenbar, sondern auch für uns Stürmer. Hoffentlich lässt sich Adidas etwas Besseres einfallen."
Die Kaffeetasse ist leer. Eine Stunde Zeit bleibt noch, um auszuruhen, bevor um 15.30 Uhr erneut trainiert wird. Und dann ist da doch noch ein Ziel: "Ich möchte gelassener werden, wenn es Kritik gibt", sagt er. Gelassenheit lässt sich nicht in Toren messen, das ist ein Vorteil.
http://www.stimme.de/sport/fussball/hoffenheim/sonstige;art879,1900613, 28. Juli 2010

